Geologie: Riffe aus Karbonaten, Turbidite aus Riffschutt und Beckenablagerungen
Die Dolomiten bestehen zu einem großen Teil aus Karbonatgesteinen. Diese wurden als Riffe gebildet und formen die steilen Gipfel der Dolomiten. Die meisten Gesteine wurde in der Trias gebildet.
Ausblick vom Monte Coldai
Stratigraphische Übersicht über die Geologie der östlichen Dolomiten
Paläozoikum
Kambrium, Ordovizium und Silur (Metamorpher Untergrund)
Phyllite, Glimmerschiefer, Gneise- Unterer Teil aus Kambrium: ursprünglich Sandsteine und Tonsteine, reich an organischem Kohlenstoff und Kupfer- und Eisensulfiden (schwarz)
- Oberer Teil: ursprünglich helle vulkanische Gesteine wie Rhyolithe überdeckt von Karbonaten und Phylliten
- Sedimente und Vulkanite während variszischer Orogenese metamorph verändert
- zwei große plutonische Körper: Im Norden der Brixener Granit und im Süden der Granit der Cima d'Asta
- Granite sind also jünger als metamorpher Untergrund
- Granit von Cima d'Asta auf 274-276 Mio. Jahre und Brixener Granit auf 280 Mio. Jahre datiert
- metamorphe Gesteine formen sanfte Hügel
Unterperm (275-255 Millionen Jahre)
Bozener Quarzporphyr
- heißt wissenschaftlich: Complesso Vulcanico Atesino (Südtiroler Vulkanitkomplex)
- Abfolge von vulkanischen Gesteinen, meist rot oder violett
- intermediäre bis saure Laven, Ignimbrite, pyroklastische Breccien und Tuffe
- Rhyolith mit porphyrischem Gefüge, Ausdehnung von 2000 km2 mit Mächtigkeit von 2000m
- untere Tei: Andesitische, dazitische, rhyolithische Laven (violett bis grau-grün)
- obere Abschnitt: rhyolithische Ignimbrite
- zwischen den Laven Sandsteine und Kongolmerate, die auf dem Festland abgelagert wurden
- Subvulkane: keulen- bis pilzförmige Magmenkörper, in geringen Krustentiefen stecken geblieben, mit riesige Feldspateinsprenglingen
- Vorkommen nur in den westlichen Dolomiten mit maximaler Mächtigkeit im Etschtal (1500-2000m; zwischen Trient und Bozen)
- nach Osten nimmt Mächtigkeit ab und keilt ab Linie zwischen Villnößtal und Agordo aus
- Lokalitäten: Eisacktal von Waidbruck bis Bozen, Etschtal von Bozen bis Auer, unteres Eggental, Raschötz-Berg im Grödental, Hochplateau mit Kastelruth, Seis und Völs, Lagorai-Kette bis zum Rolle-Paß, Cima Bocce
Oberperm (255-248 Millionen Jahre)
Grödner Sandstein
- rote Sandsteine mit Konglomerat-Einschaltungen
- durch Öffnung der Tethys starke Zerfurchung von Bächen
- Ablagerunssysteme: Schwemmfächer, Flusssysteme (Wildbäche), Seen, Küstenebenen
- dadurch Einebnung der Region und Ausbildung einer Ebene
- vereinzelt kleine Gebirge: Einzelne Schuttablagerungen am Nordrand der Dolomiten mit Mächtigkeiten bis zu 200m
- wird Sextener Konglomerat / Lombardischer Verrucano genannt
- Nach Osten und Süden durch trockene Flussebene mit mäandrierenden Flüssen und Seen abgelöst
- bildet geschlossene Decke mit Mächtigkeiten von 0 bis 700m
- Vergleich zu westlichem Amerika (Arizone, New Mexiko) oder östlichem Afrika (Ägypten, Äthiopien, Somalia)
- Niederungen aufgefüllt: Trockenrisse, Bodenbildungen, Wurzelhorizonte (trockene Perioden)
- Bodenbildungen: Calcretes (Knollen oder Krusten aus Kalk/Dolomit); nur in warmen Klimazonen mit geringen Niederschlägen
- Lokalitäten: Rolle-Paß, Valles-Paß, Fassatal, Brogels-Paß, Bletterbach-Schlucht, Gadertal, Cuecenes an der Basis der Seceda (Foto), Würzjoch, Kreuzbergpaß
Bellerophon-Formation
- Wechsellagerung von dunklem Dolomit und Gips (Cadore und Seceda, Foto)
- Transgression im Verlauf der Einheit: Meer reichte bis zum Etschtal und verzahnt mit kontinentalen Ablagerungen
- breiter, flacher Küstenstreifen mit Gezeitenflächen und Lagunen
- heißes, trockenes Klima führte zu Eindunstung und Ausfällung von Gips
- Zyklen aus 4 Abschnitten:
- feingeschichteter dunkler Dolomit mit Tonlagern und Mikrofossilien
- dunkler Dolomit mit Gipsknollen von Gezeitenflächen
- runde abgeflachte Gipsknollen verschmelzen zu Muster ähnliche Maschendraht (Ausfällung in Bereichen von aufsteigendem Porenwasser durch Verdunstung)
- Wiederholung der Zyklen durch Schwankung des Meeresspiegels (wie Sabkhas)
- Ablagerung in flachem Becken, das auch bei Ebbe mit Wasser bedeckt war
- Wechsellagerung ist Folge von Meeresspiegelanstieg (Verbindung zu offenem Meer, Ablagerung von Karbonatschlamm) und Meeresspiegelabfall (Abschnürung des Beckens, Verdunstung und Ausfällung von Gips)
- im Osten im oberen Teil der Abfolge Golf mit ruhigem flachen Wasser, wo Schlamme reich an organischer Substanz abgelagert wurden
- viele Lebewesen (Schnecke (Bellerophon), Muscheln, Nautiliden, Korallen, Schwämme, Brachiopoden, Echiniden, Bryozoen, Algen und Fische)
- Lokalitäten: Valles-Paß, zwischen Vigo di Fassa und Karerpaß, Gadertal, Peitlerkofel, Auronzo, Kreuzbergpass, Basis der Seceda (Grödnertal, Foto)
Mesozoikum
Skyth
Werfener Schichten
Mergelkalke, sie treten nicht hervor und sind gut gebankt und grau bis grünlich- Transgression nach Westen
- Flachwasser mit wenigen Meter Wassertiefe bedeckte gesamten Schelf der Tethys
- bunte feingeschichtete Sandsteine, Mergel, Tonsteine, Kalke und Dolomite
- kann in neun Schichtglieder (Members) eingeteilt werden
- bis zu einigen hundert Metern Mächtigkeit
- teilweise fehlen oberste Schichtglieder der Werfener Schichten
- in kleinem Bereich der zentralen Dolomiten ganze Werfener Schichten (Abtragung im Anis)
- Beginn wird durch Tesoro-Oolith markiert (Grenze Perm-Trias)
- darauf folgen graue mergelige Kalke (Mazzin-Member)
- typische Fauna: Lingula (Brachiopode) oder claraia wangi (Muschel)
- werden überdeckt von bunten geringmächtigen Sedimenten des Andraz-Horizontes
- feingeschichtete rote Sand- und Tonsteine mit gelben Dolomiten und Rauhwacken
- Transgression: graue Kalke des Seis-Members
- fossilreich: Clariaia clarai (Muschel)
- im oberen Teil Einschaltungen von roten oolithischen Kalken und Brekzien mit Kleingastropodenfaune (Gastropoden-Oolith)
- dann Eintrag von Verwitterungsmaterial und dadurch Ablagerung der roten Sandsteine des Campill-Member
- Fauna: Muscheln und Seesterne, viele Sedimentstrukturen
- darauf folgen graue Kalke mit Muscheln, Schnecken, Ammoniten (Val-Badia-Member)
- werden abgelöst von roten oolithischem Dolomiten und Sandsteinen (Cencenig-Member)
letzte Schicht: violette Ton- und Siltsteine mit Sandsteinen und feingeschichteten Dolomit-Einschaltungen
- Fazit:
- Abfolge von Flachwasserablagerungen mit Änderung der Wassertiefe (weltweite Schwankungen)
- Tempestite sind häufig (Sturmlagen): Meeresboden lag normalerweise unter Wellenbasis, bei Sturm greifen die Wellen tiefer hinab: Anhäufung von gröberem Material (Muschelschalen, Schneckengehäuse, Schlammscherben, Ooide)
- Lokalitäten: Rolle-Paß, San-Pellegrino-Paß, Westseite des Rosengartens, Seceda, bei Seis am Fuß des Schlerns
Anis
- Erosionsphase (Fehlen von Unter- und Mittelanis und Teil der Werfener Schichten)
- Ursache waren starke tektonische Lateralbewegungen --> Hebung der Dolomiten
- Dehnungsbrüche und Verkippen großer Küstenbereiche (parallel zum Gadertal)
- Ausbildung eines Reliefs und Entstehung unterschiedlicher Ablagerungsträume
Unterer Sarldolomit
- im Osten Flachwasser: bis 10 m Wassertiefe und flacher wuchsen Kalkalgen (Dasycladaceen)
- erste Karbonatplattformen: Unterer Sarldolomit
- neben Foraminiferen auch Seelilien (Crinoiden) beteiligt
- Plattform gelangte in flacheres Wasser: Ablagerung von Oolithen
- laminierte Dolomite zeigen Auftauchen in Gezeitenbereich an
- Mächtigkeit bis über 100m
- lokal Einschaltungen von Piz da Peres-Konglomerat (Untere Peres-Schichten)
- Schichten zwischen Unterem Sarldolomit und Buchensteiner Schichten: Prags-Gruppe (Klastika und Karbonate)
Mittlere Peres Schichten
- bunte Silt- und Sandsteine in Wechsellagerung mit Konglomeraten
- feinkörnigen Klasitka aus flachem Küstenbereich, in den von Inseln Schutt geschüttet wurde (Konglomerate)
- am Piz da Peres (namensgebend) füllt Voltago-Konglomerat ein erosives Relief auf Unterem Sarldolomit
- kontinental durch Flüsse geschüttet
- im Küstenbereich Deltaablagerungen: braun-graue Silt- und Sandsteine
- Hinweise auf Ablagerung im Gezeitenbereich: Weidenspuren, Grabspuren, Pflanzen- und Wurzelreste
Oberer Sarldolomit
- Flachwasserfazies, leitet in Contrinkalk und Schlerndolomit über
- riffähnliche Gebilde: knollige Kalke (Durchwühlung durch Organismen)
- Fossilien: Schwämme, Algen, Bryozoen
- Schlamm durch Olangocelia gebunden (Schwamm, erstes Rifffossil der Tethys)
- östlich des Piz da Peres werden Peres-Schichten feinkörniger
- in landfernen Bereichen gehen die Peres-Schichten in den Algenwellenkalk der Agordo-Formation über
- dunkelgrauer Kalk, mit feingeschichteten Algenkalke (Bakterienmattem am Meeresboden)
- Dont-Formation: dunkle feinkörnige Schlammkalke
- Einschaltungen von feingeschichteten Mergeln: Ablagerungen aus Trübeströmen (Turbidite)
- in entfernten Beckenbereichen vertritt die Dont-Formation nicht nur die mittleren Peres-Schichten, Kalkschlammsedimentation geht über größeren Zeitraum weiter
Richthofenkonglomerat
Hebung besonders des westlichen Bereichs- Konglomerat im Westen erstes Sediment
- enthält Gerölle des abgetragenen Untergrunds
- Trockenfallen und Entstehung von Inseln
- Transport von Sedimenten durch Flüsse zu den Küsten
- Konglomerat in Wechsellagerung mit roten Sandsteinen
- Gegend um Grödner Joch am stärksten abgetragen, Mittel- und Unteranis sowie Werfener Schichten fehlen
- im Osten dominieren sandige bis schlammige Küstensedimente (Obere Peres-Schichten)
- Lokalitäten: Südlich von Wengen (Strand mit dachziegelartig gelagerten Geröllen); Rosengartenhütte; Weg zur Pana-Scharte)
Morbiac-Formation
- Absinken der Dolomiten
- grüne bis graue mergelige Kalksteine mit Pflanzenresten
- reich an Kohleresten
- Ablagerung in flachem trüben Meer
Contrin-Formation
Flachwasserbereiche mit tieferen Becken- besteht aus Kalksteinen und Dolomiten
- Fossilien weisen auf warmes sauerstoffreiches Wasser hin
- Bildungbereich: Karbonatplattform (flaches, klares Wasser in den Tropen)
- tritt als Felsstufe (50 bis 200 m mächtig) hervor und bildet den Sockel vieler Berge
- Lokalität: Latemar, Pale di San Martino, Schlern, Rosengarten, Peitlerkofel, Geislerspitzen, Gipfelbereich der Seceda
Prags-Gruppe
- zeitgleiche Ablagerung zur Contrin-Formation in Beckenbereichen
- Kalksteine, Mergel und schwarze oder bunte Tonsteine
setzt sich aus M.-Bivara-, Ambata- und Moena-Formation zusammen
Ladin
- Absinken der Dolomiten (Subsidenz)
- Zerbrechen der tropischen Karbonatplattformen in einzelne Schollen
- Schollen kippen, so dass nur Teile vom Meer überflutet werden und andere herausragen (Erosion)
- in Flachwasserbereichen gedeihen Organismen (Algen, Schwämme und Korallen)
- durch Kalk abscheidende Organismen entstanden Korallenriffe
- weitere Absenkung » höhere Produktion von CaCO3 » Riffe wachsen in die Höhe (Agradation)
- CaCO3-Produktion wurde so hoch, dass die Riffe mit der Subsidenz Schritt halten konnten
- notwendige Bedingung für das Überleben der Organismen: Licht, Wärme und Sauerstoff
- daher können die riffbildenden Organismen nur in geringer Wassertiefe (20 bis 30 Meter) leben
- nach der ersten schnellen Subsidenz folgte eine Phase von verringerter Subsidenz
- Organismen wuchsen stark in die Breite und Höhe
- dadurch glichen sie die Absenkung aus, aber ihr Wachstumspotential war höher als die Absenkung
- Riffe wuchsen auch in die Breite (Progradation)
- Höhenwachstum der Riffe (Agradation) erkennbar an horizontaler Schichtung in zentralen Abschnitten
- Lokalitäten: Latemar, Vajolet-Türme, Zentrum des Langkofels (Langkofelhütte), Kleine Furcheta (Geislerspitzen), Marmolata
- Breitenwachstum der Riffe (Progradation) erkennbar an geneigten Schichtflächen (Klinostratifikation)
- an allen Riffen zu beobachten (Schichtflächen entsprechen submarinen Abhängen)
- fast alle Riffe der Dolomiten bestehen aus geneigten Schichtflächen
- bestes Beispiel: Rosengarten; weitere Beispiele: Schlern, Latemar, Viezzena und Vallaccia
- Gestein werden als Schlern-Dolomit oder Marmalata-Kalk bezeichnet, je nachdem ob sie dolomitisiert wurden
Buchensteiner Schichten
Ablagerung in tiefen Meeresbereichen- Mächtigkeit sehr variabel von bis 150 - 200 m
- an der Basis tritt eine laminierte, kalkig-kieselige schwarze Schicht auf (viel organischer Kohlenstoff)
- Plattenkalk (Mächtigkeit 10 - 20 m)
- darüber lagern graue bis grünliche Kalksteine mit Hornsteinknollen
- Einschaltung von grünen feinkörnigen Vulkaniten
- Pyroklastika (Aschen): Hinweis auf explosiven Vulkanismus in Umgebung
- teilweise submarin gefördert --> pyroklastische Schlammströme
- kommen nur in Becken vor --> durch Turbidite in Tiefsee verfrachtet
- Zwischenlagen: Tuffe und vulkanische Aschen (intensiv grün, genannt pietra verde)
- pyroklastischer Horizont aus Lapilli-Aschen
- große vulkanische Explosion » Aschen fielen ins Meer
- Fossilien: Ammoniten und Reptilien
- Buchenstein Formation lagert unterhalb der Riffe, obwohl sie seitlich in Becken abgelagert wurde
- Riffe progradierten über Buchensteiner Formation
- Lokalitäten: Straße zwischen Arabba und Pieve di Livinallongo; westlich des Colle di S. Lucia; Boite-Tal
Zoppe-Sandstein
- im Osten und Süden lagerten sich mächtige Sandsteine ab
- Material stammt aus Süden (venetianische Tiefebene)
- Schutt durch das ladinische Meer transportiert bis in Nordosten Richtung Cadore und Comelica bis Sappada
- Tiefwassersande: führte zu Rutschungen und Gleitungen an den Hängen
- submarine Schuttkegel
- Abtragung alter Gesteine wie Porphyre und Phyllite
- deutet auf starke Hebungen im Süden der Dolomiten >> Erosion des metamorphen Untergrundes
- Lokalitäten: Agordo und Zoldo, Corvo Alto und um Marmolata
Pillow-Laven und andere Vulkanite
Bildung zweier vulkanischer Zentren- Austreten vulkanischer Produkte aus Vulkanen und Gängen (Tuffe, Aschen, Hyaloklastite und Brekzien)
- Brekzien: o eterogeneo
- zahlreiche Gänge am Costabelle, Latemar und Marmolata
- Bildung von Pillow-Laven
- Vulkanite begruben Karbonatplattformen und ergossen sich über deren Abhänge
- Auffüllung der Meerebecken
- Bildung von Brekzien aus Pillowlaven
- aus Hyaloklastiten enststanden "Trübewolken"
- Vulkanite begruben Riffe und die Organismen bauten keine Kalke mehr auf
- dadurch blieb die Morphologie der Riffe erhalten
- Beweise für Lavabedeckung der PLattformen: Schlern, M. Agnello
- Plutonite: um Predazzo und in den Monzoni-Bergen (Gabbros bis Granite)
Marmolada-Konglomerat
- grobklastische Schüttungen rund um Vulkankomplexe
- gut gerundete Körner aus Vulkaniten >> Schuttströme
Wengener Schichten
- größere Entfernung von Zentren feinkörnigere Ablagerungen (Sande und Tone)
- Wechsellagerung von Tonsteinen, Sandsteinen und Mergeln
- reiche Fauna: Ammoniten, Muscheln (Daonella und Posidonomya wngensis)
- Landpflanzenreste belegen Nähe zu Inseln
- Einschaltung von Pachycardientufffen
- Erosionsschutt der Vulkanite
- reich an Muschel Pachycardia (insgesamt 350 Fossilarten)
Cipit-Kalke
Blöcke von Karbonatplattformen- nicht dolomitisiert, alle Strukturen mit Organismen gut erhalten
- mehrere Meter große Blöcke in Breccienlagen
- Schuttzungen greifen vom Riff ins Meer vor
- Megabreccien
- Lokalitäten: markante Abfolgen an Roßzähnen der Seiser Alm, Crepe Rosse beim Fedaia-Pass; mächtige Lage an Nordwand der Sella-Gruppe am Grödner Joch
Cassianer Dolomit
- Subsidenz gering
- auf Hochzonen wieder riffbildende Organismen
Untergrund bilden ladinische Schlerndolomit-Riffe oder vulkanische Erhebungen - Ausbilden von Saumriffen
- Kalkgerüst: besteht aus Algen, Schwämmen und Korallen
- geringes Höhenwachstum der Riffe aufgrund Subsidenz (Absinken des Meeresgrundes)
- Vorbauen der Riffe in das Meer zur Seite (Progradation) --> Wuchsen über Beckensedimente hinüber und füllten Becken auf
- in Lagunen hinter Riffen wurden geringmächtige Sedimente angelagert
- Lokalitäten: Sella, Langkofel, Schlern, Dürrenstein und Laguoi (Karbonat-Plattformen)
- Sonderfall Sett Sass (Falzaregopass): besteht aus zwei Riffkörpern, dazwischen Zunge aus Beckensedimenten, nach Absterben des ersten Riffs entstanden
Cassian Formation (Beckenfazies)
bräunliche Mergel und Feinsandsteine- daneben feinkörnige Ablagerungsprodukte der Vulkanite
- Einschaltung von dünnen gelben Lagen aus Schutt der progradierenden Riffe
- Olisthostrome aus Riffkalk (Sella Pass)
- sedimentäre Verfüllung der Becken zwischen Riffkomplexen
- flache warme Gewässer: Kalkschwämme, 200 Muschelarten, Korallen, Algen, Seeigel, Deelilien, Ammoniten (insgesamt über 1000 Arten)
- Entwicklung von Patch Reefs (Fleckenriffe): kleine Kolonien von Korallen, Schwämmen usw.
- verwitterungsanfällig, gute Aufschlüsse nur an Rutschungen und tief eingeschnittenen Bachläufen
- Lokalitäten: Sella Pass, Basis der Grohmann-Spitze
Raibl-Formation
bunte Abfolge von Konglomeraten, Ton- und Kalksteinen, Dolomiten und Gips (100m Mächtigkeit)- flache Küstenebene mit Flusssystemen
- flache Lagune und Sandbänke mit trockenfallenden Küstenstreifen
- Mollusken, Meglodonten gediehen gut und sind gut angepasst
- stark bewegtes Wasser, durch Stürme aufgewühlt und Eintrag von Sand und Schlamm
- verwitterungsanfällig, bildet Geländeverflachung
- Lokalitäten: Südlich der Tofanen im Travenanztal, Fuß des Mt. Cristallo, Pelmo
Nor
Dachsteindolomit = Hauptdolomit
- Überflutung und Ablagerung von Kalkschlämmen
- in flachen Wasser lebten bis zu 0,5m große Muscheln, genannt Megalodonten
- auch Reptilien und Dinosaurier
- während der Auftauchzeit entstanden Stromatolithen
- Austrocknen erkennbar ab Trockenrissen und Schlammscherben
- Ablagerung von bis zu 1000m gleichartiger Sedimente, die horizontal geschichtet sind
- heißes, trockenes arides Klima, daher hohe Verdunstung und hocher Salzgehalt --> Dolomitisierung
- Lokalitäten: Fanes, Cristallo, Drei Zinnen, Tofane
Rhät
- Trento-Plattform
- tropische Flachwasserzone
- wenige Meter bis 10er Meter Wassertiefe
- im Westen und Osten entstanden durch tektonische Prozesse tiefe Becken
- riesige submarine Schwelle mit ca. 80 km Breite
- Ablagerung von Kalken
Dachsteinkalk
- gut gebankte Kalksteine
- mehrere 100 Meter Mächtigkeit
- Sturmablagen bilden Brekzien
- schwarze Schlammscherben: "black pebbles" --> aus dem Wasser ragende Inseln
- in tiefen Bereichen: Muscheln (Dicerocandium) und einzelne Korallenstöcke
- gleiche Räume wie Dachsteindolomit
Jura
Lias
- Dachsteinkalk wird von Graukalken abgelöst
- mächtige dünngebankte fossilreiche Kalksteine (calcari grigi)
- Beginn der Sedimentation im Rhät
- großer Teil besteht aus Oolithen, die typisch für Flachwasserzonen sind
- auch Zonen mit Gezeitenflächen
- Belege: Südlich der Dolomite in gleichen Gesteinen auf Trento-Plattform
Lias
- Graukalke mit Spalten, die durch rote Sedimente verfüllt sind
- enthalten Crinoidenschutt (Teile von Seelilien)
- auf Oberfläche der Lias-Kalke
- Mächtigkeit von 0 bis 2 m
Fanesgruppe
- Fanes-Encrinite (Lias bis Dogger) --> Zerbrechen der Trento-Plattform
- Crinoidensande: submarine Sanddünen
- Bereiche ohne Sedimentation:
- Ausbildung eines Hardgrounds
- mit Fe- und Mn-Krusten (ähnlich der heutigen Tiefsee)
Ammonitico Rosse
- rote knollige Kalksteine
- knollig: einige cm im Durchmesser, getrennt durch Tonhäute mit charakteristischer roter Farbe
- Versinken der Trento-Plattform in großer Tiefe und Ausbildung von Schwelle in einigen 100 m Tiefe
- Mächtigkeit 10 bis 20 m
- fossilreich: Ammoniten zahlreich
- Bildung der Knollen: Bioturbation, geringe Sedimentationsraten, Drucklösung
- zwei stratigraphische Niveaus: können nicht gut getrennt werden
- tiefere Horizont: Ammonitico Rosso onferiore (Dogger)
- Lokalitäten: Piz Boé der Sella Gruppe, Puez-Hochfläche, Antelao und Ra Stua (Cortina)
Kreide
Biancone Formation
- kurzzeitig Fortsetzen der Kalksedimentation in tiefem Wasser
- durch Abnahme der Knolligkeit entstanden
- helle Farben und Kieselknollen
- marine planktische Einzeller wie Tintinniden oder Raiolarien
- Kreidemergel: auf Hochfläche der Gardenazza --> Puez-Mergel (Neokom)
Puez Mergel
in Tiefen zwischen 1000 und 2000 m- verwitterungsanfällig, daher Ausbilduing von stumpfen Kegeln mit Schutthügel
- Lokalitäten: Col de la Sonè (Puez-Hochfläche, Gardenazza)
Antruilles-Formation (Oberkreide)
- Mergel und Tonstein
- teilweise schwarz, durch sauerstoffarme Bedingungen in der Tiefsee
- jüngste Sedimente der Antruilles-Formation: Sandstiene, durch submarine Trübeströme abgelagert (Quarz-führend)
- Lokalitäten: bei Ra Stua und Antruilles (nördlich von Cortina)
Ruoibes Formation (Höhere Oberkreide)
- konglomeratische, tubiditische Sandsteine, Tonsteine und Mergel
- starke Erosion im Norden durch Hebung der Alpen über Meeresspiegel
- fossilreich: Ammoniten mit aufgerollten Gehäusen
Tertiär
Parei-Konglomerat
- Süd-Abhänge des Monte Parei (Fanesgruppe)
- Länge von 2km und Mächtigkeit von 90m
- im Tertiär gesamte Dolomiten von Sedeimenten bedeckt
- Relikte der Sedimente: Fanes-, Sennes- und Fosses-Alm, Seekofelgbiet, Paresberg im Rautal, Mt. Paream Mt. Parei durch Überschiebung mit älteren Gesteinsserien geschützt
- Alterseinstufung variiert zwischen Eozän und Oligozän
- jüngste marine Ablagerungen
- heute in Höhen von 2300-2650m --> Hinweise auf Altereinstufung tektonischer Ereignisse
- Ablagerung auf verfaltetem Dachsteindolomit und Calciri grigi
- Überschiebung durch diese älteren Gesteine --> zwei Gebirgsbildungsphasen
- Einengungsrichtung im rechten Winkel
- nachvollziehbar in gesamten Dolomiten
- Konglomerat besteht aus vier Gesteinsgruppen:
- Megabrekzien (Schutt aus Dachsteindolomit und Calcari grigi, Blöcke bis 10m im Durchmesser)
- Murschuttbrekzie
- Konglomerate mit Sandstein-Einschaltungen
- gut geschichtete Kalksteinbänke
- mit Ausnahme der Megabrekzien verzahnen Gruppen des Parei-Kongomerates --> zeitgleiche Ablagerung
- fossilführung gering: Nur in Kalkbänken und Sandsteineinschaltungen
- Seepocken, Muscheln (Austern), Bryozoen, Seelilien, Rotalgen, Muschelreste, Schnecken, Foraminiferen (Nummuliten), Textularia
- Geröllspektrum: lokal vorkommende Gesteine (Dachsteindolomit , Calciari grigi, Fanesencinit, Ammonitico Rosso, Kreidemergel, metamorphe Gesteine (Gneise, Phylllite), Quarzgerölle, Bohnerze, rote bis grüne Vulkanite)
- gut gerundete Gerölle
- Karbonate mit Löchern von Borhscmuscheln --> Strandbereich mit anschließender Umlagerung in tieferes Wasser
- da keine Sedimentstrukturen, die auf Stranzone hinweisen
- aber Bryozoen wiesen auf Flachwasser hin
- daher Fazies wie folgt: Ablagerung der Gerölle im Mündungsbereich eines Flusses und Weitertransport durch Korn- und Schuttströme
- Murschuttbrekzien:
- aus lokalen Gesteinsarten: Dachsteindolomit bis Kreidemergel und Sandsteine
- schlecht gerundet, daher geringe Transportweite
- chaotische Lagerung
- Metergroße Blöcke in feinkörniger Grundmasse
- submarine Murströme
- Konglomerat in Grabenbruchzone von St. Vigil im Enneberg bis Antruilles
- Bildung während der Verfaltung des Tertiärs
- Megabrekzien im östlichen Teil des Parei-Kamms weisen auf tektonische Aktivität hin
- untermeerische Felsstürze abgelagert durch Bodenunruhen
- Hinweise auch in Murschuttbrekzien
Der Monte Cernera ist ein typischesanisisch-ladinisches Riff an dem die Stratigraphie des Riffs gut nachvollziehbar und dessen Auskeilen erkennbar ist. Auf dem Bild nach rechts gehen die Riffkarbonate (Schlern-Dolomit) in Vulkanite über. Durch die Lavaüberdeckung ist der frühere Riffabhang erhalten und kann erwandert werden.







